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„Was
habe ich jetzt zu lernen?“,
ist eine der wichtigsten Fragen im Leben.
Sie spornt an, Risiken einzugehen, hilft aus bequemen, aber leider
auch eingeschlafenen Situationen heraus, erleichtert schwierige
Umstände und schenkt eine positive Lebenseinstellung. Jedes
Schlüsselerlebnis, das in unserem Leben die Weichen neu stellt
– wir mögen es als schmerzliche oder als glückliche
Fügung empfinden – öffnet unseren Horizont. Das
Leben ändert sich mal wieder, die Wirklichkeit wird klarer
als vorher.
Schlüsselerlebnisse, das
sagt schon der Name, sind Erlebnisse und Erfahrungen, die zum Schlüssel
werden für unsere Erkenntnis, unsere Geschichte, unseren Werdegang,
unser Wissen, unsere Weltsicht und unser Bewusstsein. Sie können
uns in den unterschiedlichsten Situationen treffen, entweder in
einer schmerzlichen oder aber auch in einer überraschend glücklichen
Situation, wo uns plötzlich ein Licht aufgeht und eine Erkenntnis
stattfindet, die wir bisher noch nicht hatten, die wir bisher entweder
verweigert haben oder einfach nicht sehen konnten, weil wir blind
waren.
Wir
haben alles vergessen
In unserem Unterbewusstsein ist, das wissen wir heute, alles vorhanden:
Nicht nur unsere eigene Vergangenheit, sondern auch die Vergangenheit
bzw. das Wissen der ganzen Menschheit. Wir haben nur alles vergessen.
Jedes Kind weiß bei seiner Geburt, woher es kommt und wohin
es geht. Wer einem Neugeborenen in die Augen schaut, sieht, dass
in diesen Augen, die aus der Ewigkeit kommen, alles vorhanden ist:
eine tiefe und unauslöschliche Weisheit, die allerdings recht
bald verloren geht durch die Erziehung zum Denken, zur Logik, zum
Lesen-Schreiben-Rechnen, die wir brauchen, um uns in der augenblicklichen
Realität zurechtfinden zu können. Erst im Laufe des Lebens
kann sich, wenn wir gelernt haben bei uns zu sein und meditativ
unser Inneres zu betrachten, eine Möglichkeit entfalten, die
uns überraschend neue Einblicke in die Realität gestattet
– in die Wirklichkeit, also das, was wirkt. Dann werden wir
auch erkennen, dass unsere Weltbilder und Verhaltensmuster nur Mittel
waren, um uns in der jeweiligen augenblicklichen Situation zurechtzufinden,
dass sie aber ihren Inhalt verlieren bzw. verändern, sobald
Schlüsselerlebnisse unser ganzes Sein ergreifen und unsere
bisherige Sicht infrage stellen.
Nicht nur Kontemplation ist der Weg, sondern eben diese Schlüsselerlebnisse,
die plötzlich und unerwartet, ja oft blitzartig eine Welt eröffnen,
von der wir uns womöglich gefürchtet haben oder die wir
gar nicht für möglich hielten. Ich habe das in vielen
Situationen erleben dürfen und immer wieder hat sich durch
die neue Perspektive mein Weltbild erweitert, sodass ich mir heute
immer wieder sage: Mach dir kein Weltbild mehr, das ist alles Quatsch,
nimm die Wirklichkeit – das, was wirkt – wahr, und die
kann sich in jedem Augenblick ändern und neue Perspektiven
aufreißen.
Winzig
im Universum
Eines meiner wichtigsten Schlüsselerlebnisse war, als ich vor
Osho saß und ihm in die Augen schaute. Mir war, als ob ich
durch diese Augen in eine andere Welt flog. Ich sah das Universum
und seine Entwicklung, ich sah mich als winziges Wesen, und ich
sah eine Welt ohne Lügen, ohne Urteil und ohne Schuld. Und
ich begriff, dass dieses Universum meine eigentliche Heimat ist,
die ich wiederfinden kann, wenn ich für eine Weile bereit bin,
diesen Menschen – Osho – als meinen Begleiter anzunehmen.
Ich sagte: Ja-Ja-Ja, ich will! Denn das ist der Weg zu mir und zu
den Geheimnissen des Lebens und der Ewigkeit, aus der wir kommen
und in der wir leben.
Ein wichtiges Schlüsselerlebnis war auch, als ich mich plötzlich
bei der Betrachtung eines wunderschönen, jungen Mannes daran
erinnerte, weshalb ich nur mit jungen Männern zusammen sein
konnte und nicht mit Männern meines Alters; nämlich weil
mein Großvater mich missbrauchte, als ich vier Jahre alt war
und ich damals beschloss: „Alte Männer sind böse!“
Was
habe ich jetzt zu lernen?
Wir leben in einer Zeit, in der sich immer wieder Schlüsselerlebnisse
anbieten, die uns bewusst machen, weshalb wir gerade in diesem Körper,
in dieser Zeit und in dieser Generation leben. Und wir uns immer
wieder die Frage stellen sollten: „Was habe ich jetzt zu lernen?“
Das ist eine der wichtigsten Fragen in unserem Leben. Und wenn sich
eine Tür öffnet, die Frage: „Was muss ich unbedingt
tun, um zu begreifen, um zu wachsen?“ Dann heißt es:
Raus aus den alten Meinungen und Glaubenssätzen, die sich durch
unser Schicksal entwickelt haben, und das annehmen, was ist.
Wir wachsen nur, wenn wir uns den Befreiungen anvertrauen, die uns
durch Schlüsselerlebnisse die Augen öffnen für die
Gegenwart, für die Wirklichkeit, wenn wir diese Gelegenheit
dazu benutzen, auch am Bewusstseinsprozess unserer Mitmenschen mitzuarbeiten.
Wir brauchen einander, wir brauchen Begegnung, Unterstützung,
Ermunterung. Wir brauchen Spiegel und Liebe, um zu den Menschen
zu werden, die wir eigentlich sind, nämlich wunderbare Wesen,
die auf diese Erde gekommen sind, um das Göttliche zu verwirklichen,
das in uns allen angelegt ist. Und um den Mut zu entwickeln die
Schlüssel zu benutzen und auch für andere Menschen Schlüssel
zu sein, damit wir aufwachen aus dem Jahrtausend alten Traum, der
uns benebelt hat. Aufzuwachen in die Wirklichkeit, die unser wirklicher
Schlüssel ist.
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